Geschichte der Pfarrei Winnen

Die Pfarrei Winnen kann eine lange und ereignisreiche Vergangenheit vorweisen. Heute umfasst sie die beiden Stadtteile Winnen und Nordeck der Stadt Allendorf (Lumda). Von 1577 bis Ende 2011 gehörte auch die Kirchengemeinde des Ebsdorfergrund-Dorfes Wermertshausen zum Kirchspiel, im Zuge der Strukturreform der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck wurde sie jedoch zum 1. Januar 2012 in die Kirchengemeinde Dreihausen-Heskem umgepfarrt. 

 

Winnen besaß schon lange vor der jetzigen Kirche, die um 1320 fertiggestellt wurde, ein eigenes Gotteshaus. Dessen Geschichte reicht möglicherweise bis ins 10. Jahrhundert oder noch früher zurück.  Mittelalterliche Kirchen waren in der Regel einem oder mehreren Heiligen gewidmet. Es ist bemerkenswert, dass mittelalterliche Dokumente einen Walpurgis-Altar in Winnen erwähnen. Dieser ist aber in Vergessenheit geraten und wird von älteren Forschungen zur Kirchengeschichte der Region mit einem Marienaltar verwechselt. Letzteren gab es möglicherweise auch, dabei könnte es sich aber um einen typischen Nebenaltar des 15. Jahrhunderts gehandelt haben. Das Walburga/Walpurgis-Patrozinium (Widmung) ist insofern von Bedeutung, als damit eine Beziehung zu den alten landgräflichen Besitzungen wie Alsfeld hergestellt wird. Es könnte auf das 10. Jahrhundert datieren, als der erste deutsche König Konrad I. (911-918) einige Kirchen im Lahngau mit Walburgas Reliquien bestückte. Eine Vorgängerkirche oder -kapelle für Winnen könnte zu der Zeit von König Konrad schon bestanden haben und wäre mit dem Patrozinium zu Ehren Walburgas aufgewertet worden. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass die Gemarkung zum damaligen Zeitpunkt im Besitz Konrads war. Die Landgrafschaft Hessen trat dann zweieinhalb Jahrunderte später in die Nachfolge und machte Nordeck samt Winnen zum Eigenbesitz.

 

Der älteste bekannte Beleg für das Dorf und die Pfarrei Winnen ist eine Urkunde des Klosters Arnsburg aus dem Jahr 1238. Damals hieß der Ort ‚Winden’, in pfarramtlichen Dokumenten ist der Name ‚Winnen’ erst seit 1709 in Gebrauch. Das im Lumdatal gelegene Allendorf war anfänglich ebenfalls in Winnen eingepfarrt und wurde 1323 mit Erlaubnis aus Winnen von Landgraf Otto zur selbstständigen Pfarrei erhoben.

 

Zur Pfarrei Winnen gehört seit ihrem Entstehen auch Nordeck. Das Dorf ist höchstwahrscheinlich erst mit seiner Burg entstanden und in ihrem Schatten schnell angewachsen. Eine Kirche für Gemeindegottesdienste wurde dort aber nicht errichtet, obwohl es bald wesentlich größer war als Winnen. Als Grund ist anzunehmen, dass es in Winnen schon eine Kirche gab, als Nordeck entstand, andernfalls wäre es aus der Perspektive der Burgherren sinnvoller gewesen, den Pfarrsitz in Nordeck zu errichten.

 

Die Pfarrer des 20. und 21. Jahrhunderts

1880-1923 Christoph Berdux

1923-1925 Heinrich Balzer

1925-1951 Friedrich Karl Hilbert

1951-1955 Friedrich Jung

1955-1966 Walter Krug

1967-2000 Karl-Heinz Vogelsberg

2001-2008 Dr. Markus Zink

seit Nov. 2009 Judith Asmus